[Review] Legend of Grimrock

Veröffentlicht: 7. Januar 2014 in Games
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Noch nicht gezockt? Hier gibt’s genug Argumente!

Es gibt keine Dialoge, keine NPCs, keine Oberwelt und keinen Handel? Man kann sich nur blockweise bewegen und die Aktionen umständlich mit Klickerei ausführen, obwohl wir uns im Jahr 2013 befinden? Kann uns ein Dungeon-Crawler mit so einem starken Retro-RPG-Charakter heute noch in seinen Bann ziehen? Ich habe mein angestaubtes Karopapier von der Unizeit ausgegraben und mich in die Tiefen von Legend of Grimrock gewagt.

Gameplay

Legend of Grimrock ist ein Echtzeit-Rollenspiel aus der First Person Sicht. Wir kontrollieren eine Gruppe aus vier Charakteren, die wir durch einen Dungeon führen. Die Bewegung läuft feldweise ab, d.h. wir können uns in alle Himmelsrichtungen stückweise bewegen. Drehungen sind nicht frei, sondern werden um jeweils 90° ausgeführt. Diese Art von Spielmechanik geht auf die Spiele aus den frühen 90ern zurück, vor allem dürften Eye of the Beholder und Dungeon Master die bekanntesten Beispiele dafür sein und auch Legend of Grimrock wurde stark von diesen Titeln inspiriert.

Während dem Spiel lösen wir teils wirklich knackige Rätsel und Puzzle und stürzen uns in unterhaltsame Kämpfe. Nach dem wir Gegner ins Nirwana geschickt haben, bekommen unsere Charaktere der Gruppe dementsprechend Erfahrungspunkte und steigen bei einer definierten Erfahrungsmenge eine Stufe auf. Danach können wir, wie aus vielen anderen RPGs bekannt, Fertigkeitspunkte verteilen und spezielle Traits ausbauen. Das kann die effizientere Verwendung von Waffen wie Schwerter, Äxte, Bögen etc. sein, als auch die magische Fähigkeiten oder die Verwendung von bestimmten Rüstungstypen (Leicht, Mittel, Schwer). Außerdem können wir durch die komplexen Puzzles im Spiel (Secrets), die stets optional und in großer Menge durch den ganzen Dungeon verteilt sind unsere Ausrüstung weiter verbessern.

Wenn wir frisch mit dem Spiel beginnen, können wir unterschiedliche Schwierigkeitsgrade auswählen und unter anderem den so genannten „oldschool-Modus“. In diesem Modus ist das komplette Kartensystem ingame deaktiviert und für die Orientierung im Verlies muss der Spieler auf seine Aufnahmekapazität oder auf die Fähigkeit die Karte selbst zu zeichnen zugreifen.

Was hat mir besonders gut an Legend of Grimrock gefallen?

Ich bin mit gemischten Erwartungen an das Spiel gegangen und wurde bereits nach der Charaktererstellung sofort gefesselt. Am meisten hat mir das Retro-Spielprinzip gefallen, da die damit verbundene Steuerung sehr gut funktioniert. Außerdem gibt es für mich keinen Dungeon-Crawler, der die Atmosphäre so ausgezeichnet an den Spieler verkauft. Natürlich sollte ich an dieser Stelle nicht vergessen: Legend of Grimrock sieht grafisch wirklich sehr ansehnlich aus! Die Sucht beginnt eigentlich erst nach den ersten kleinen und meist einfachen Rätseln oder den versteckten Räumen (Secrets). Ich habe mich die ganze Zeit gefühlt wie ein Abenteurer auf der Suche nach dem Kick, weil der Aufbau des Verlieses dem Spieler indirekt sagt „erforsche jede Ecke und jeden Winkel, damit du ja nichts verpasst!“. Außerdem ist es von Anfang an sehr wichtig, dass ihr eure vier vorhandenen Charakter richtig platziert, denn wir erinnern uns, wir bewegen uns in einer 2×2 Matrix! Mein Setup bestand aus einem Fighter und drei Rogues. Ich habe die erste Stunde mit einem Magier in der hinteren Reihe gespielt, aber mir persönlich war das Zaubern dann doch zu umständlich. Der Krieger wurde am Ende auf Äxte spezialisiert, der Schurke vorne auf unbewaffnet mit maximaler Evasion. Einer der hinteren Schurken wurde auf Wurfwaffen, der andere auf Dolche ausgebildet. Somit hatte ich einen guten Mix aus Melee und Range. Schon die ersten Kämpfe haben unheimlich viel Spaß gemacht, da im ersten Moment die Aktionsausführung ungewohnt ist und man quasi was neues dazu lernt. Im späteren Verlauf bekommt man das Kampfverhalten dann immer besser hin, was auch zwingend notwendig ist, denn die Gegner werden a) stärker und b) Anzahl nimmt zu (schnelles Handeln ist gefragt). Auch die Rätsel werden ab der Mitte des Spiels wirklich fordernd, wobei der Spieler sehr oft auf versteckte Hinweise in Form von Schriftrollen stößt. Der Grund, warum die Rätsel so viel Freude machen ist, dass sie sehr vielseitig ausgelegt sind und nicht nur dem Schema-F folgen. Ihr werdet also oft feststellen, dass ihr vor einer komplett neuen Aufgabe steht und euch auf’s Neue reindenken müsst.

Was hat mir weniger an Legend of Grimrock gefallen?

Der ein oder andere wird sicherlich den Bedienkomfort vermissen, was auch zum Teil stimmt. So muss zum Beispiel die umständliche Speicheroption über das Menü erwähnt werden, was am Ende mit dem Patch 1.1.4 glücklicherweise behoben wurde. Auch die recht spärliche Texturierung der Ebenen dürfte manchem Spieler sauer aufstoßen. Der Entwickler erklärte diesen Umstand damit, dass der Spieler den Wänden dann besondere Aufmerksamkeit schenken müsse, um die versteckten Schalter zu finden – ich kann es zum Teil verstehen. Ein weiterer Punkt ist der ineffiziente Alchemieprozess und die Tranknutzung hätte sicherlich noch besser gelöst werden können. Ein weiterer Kritikpunkt ist das nicht vorhanden sein einer Handlung. Ich habe nicht viel erwartet, aber vielleicht hätte man das Ganze so verpacken können, dass der Spieler einem besonderen Schatz nachjagt, welcher seit Jahrtausenden von einer sagenumwobenen Kreatur gehütet wird oder sonst was. Naja, ich konnte über das gesamte Spiel einigermaßen drüber hinwegsehen, aber es gab auch sehr trockene Passagen.

Fazit

Legend of Grimrock ist etwas Besonderes. Das ahnte ich schon, als ich vor einigen Monaten erstmals von dem Projekt erfuhr. Das Spiel bietet alten Dungeon-Hasen ein nostalgisches Wohlgefühl und lockt Genreneulinge gleichzeitig mit modernen Rätseln, die sich vor Knobelspielen wie Portal nicht verstecken müssen. Die Mischung aus anspruchsvollen taktischen Gefechten, bewusst klassisch gehaltener Steuerung, abwechslungsreicher Charakterentwicklung und zahlreichen Verstecken ist gelungen. Manch ein Vollpreisspiel lässt diesen Tiefgang samt Langzeitmotivation vermissen.

Wer Legend of Grimrock nicht spielt, muss sich vorwerfen, einen der besten Dungeon-Crawler der Neuzeit verpasst zu haben!

Wertung: 91 / 100 Punkten

 

PRO & CONTRA

  • Retro-Dungeoncrawler
  • sehr gut ausgedachte Rätsel
  • Steuerung der Charakter sehr gut
  • gute Mischung aus Kampf und Rätselaufgaben
  • Umfang eines Vollpreistitels (Spielzeit ca. 7-9 h)
  • keine bis wenig Handlung
  • Texturen variieren selten
  • teils umständliche GUI-Interaktion
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