The Wolf of Wall Street – Kritik

Veröffentlicht: 29. Januar 2014 in Filme & Serien
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Martin Scorsese, bei diesem Namen sollten dem Filmeliebhaber vor allem Gangsterfilme in den Sinn kommen und mit seinem jüngsten Werk „The Wolf of Wall Street“ hat Scorsese nach dem niedlichen Experiment „Hugo Cabret“ wieder ganz zu seiner alten Stärke gefunden. In meiner Kritik erfahrt ihr, warum „The Wolf of Wall Street“ einer der besten Filmstarts im Jahr 2014 ist.

Leo, du geiler Scheißkerl, du bringst in diesem Film die Performance deines Lebens. New York, Mitte der 80er Jahre. Der aus einfachen Verhältnissen stammende Jordan Belfort möchte als Börsenmakler an der Wall Street arbeiten. Nach dem verheerenden Crash am Black Monday 1987 verliert er jedoch seinen Job an der Börse. Der junge Leo hat aber Blut geleckt und macht sich selbstständig, durch sein großes Verkaufs- und Redetalent wächst Belforts Firma rasend schnell und ermöglicht ihm ein exzessives Luxusleben par excellence. Die unendliche Gier nach Reichtum ruft schließlich das FBI auf den Schirm.

Den Film könnte man mit nur einem Wort beschreiben: Durchgeknallt, aber dann würde ich viel zu spärlich mit meinen Emotionen umgehen, ich würde euch belügen. Falls ihr eine rein objektive Kritik zu „The Wolf of Wall Street“ lesen möchtet, dann solltet ihr an dieser Stelle aufhören und vielleicht zu imdb.com rüberschielen, da habt ihr genug platonisches Gefasel. Hier wird streng nach dem Film-Motto „Scheiß auf alles, wir sind doch eh alle durch!“ darauf los geschrieben.

Leonardo DiCaprio, im Folgenden Leo, ist ein wildes Tier, ungezähmt, besessen, gierig und lüstern zugleich. Das wohl größte Arschloch der Welt – möchte man meinen. Er ist arrogant, betrügerisch, oberflächlich und ein grausames Drecksschwein, aber so geil gespielt, dass ich ihn dafür hasse und liebe. Ich wette meine linke Hand dafür, dass ihm die Pussies von der Drecksacademy mit mindestens einem Oscar honorieren werden. Natürlich könnte es nur eine große Ausnahme sein, dass nur Leo so krank und abgespaced ist, aber nein, denn alle anderen in seiner direkten Umgebung sind genau so drauf. Man wird das Gefühl nicht los, dass alle Darsteller während den Dreharbeiten zwangsläufig irgendwas genommen oder geraucht haben müssen, denn anders lässt diese Authentizität nicht erklären, in der die Rollen gespielt wurden. „The Wolf of Wall Street“ ist ein Edel-Swinger-Club, eine hoffnungslose Irrenanstalt und ein Zirkus, wo jeder mitmachen darf. Jeder kommt auf seine Kosten. Da ist es schon so normal wie den Hausmüll rauszubringen, dass die Sekretärin dem Hausmeister aber sowas von einen bläst, nachdem sie es sich vom Top-Broker sowie vier bis fünf Angestellten GLEICHZEITIG besorgen ließ. Huren aller Preisklassen soweit das Auge reicht: Irre, Außergewöhnliche, Abgefahrene, für jeden etwas dabei. Es wird gesoffen, geschriehen, gekokst und Ecstasy-Pillen gehen runter wie ein Glas Tomatensaft mit Pfeffer im Flugzeug. Leo, der urlässige Jonah Hill und Konsorten machen das alles am liebsten gleichzeitig.

Der Film ist schon verdammt lustig, aber immer wieder lässt er uns auch die Chance mit einer Dosis Ruhe runterzukommen. Wie es sich jedoch für den kalten Entzug gehört, wollen wir bald wieder richtig drauf sein und uns an den Kopf fassen und sagen „Was zum Teufel geht da eigentlich gerade ab?!“. Martin, nein Marty du kleiner augenbrauiger Mann mit Hornbrille, du gibst uns, wonach wir uns so sehr sehnen. Ekstase, immer und immer wieder. Es ist so gut gefilmt, mit so ziemlich jeder Art von Musik unterlegt, alles ist so gut in Szene gesetzt. Aber scheiße, es sind die Kleinigkeiten, die den Film so außergewöhnlich machen. Das detaillierte Beschreiben der Wirkung dieser oder jener Luxus-Droge, ein beherzter Griff an einen Arsch da, ein liebevolles Saugen an Titten dort. Scorsese weiß, wie er die Zuschauer glücklich machen kann.

Ja, dann ist da noch die Sache mit der Verherrlichung. Schon richtig, lange wird dieser Verbrecher, dieser Betrüger, dieser Finanzhai Jordan Belfort verherrlicht bis zum geht nicht mehr. Er wird zu einer gottgleichen Lichtgestalt aufgebaut, der durch Drogen, Sex und Geld scheinbar die Welt beherrscht. Aber so unendlich hoch dieses Monument aufgebaut wird, genauso wird es auch wieder eingerissen. Die übertriebene Dekadenz des Jordan Belfort, dieses Luxusleben, die Drogen, die Nutten, der Alkohol und die wilden Vögelorgien und vor allem die Sucht nach mehr Geld, Drogen, Macht, Sex und nach mehr von allem wird ihm, dem Riesenarsch Belfort, zum Verhängnis. Er ist geblendet und meint, dass ihm die Welt zu Füßen liegt. Aber das stimmt eben nicht! Nur durch Verrat, durch Deals mit Behörden bleibt dieses Ekelpaket unberührt und straffrei. Das mag unfair sein, zeigt auf der anderen Seite aber auch das Gesicht Amerikas. Trotzdem kommt Hochmut auch bei Marty vor dem Fall Belforts. Er fällt. Er fällt richtig tief und mit ihm so manch amerikanisches System. Das Justizsystem, die Wall Street, der American Dream und auch das System von Anstand und Moral.  Am Ende steht seine Hauptfigur wieder am Anfang. Ohne alles. Und er fängt von vorne an. Arschlöcher bleiben eben Arschlöcher! Und letztlich zeigt uns der Regisseur nichts anderes als das, nämlich dass Jordan Belfort ein riesengroßes Arschloch ist.

Aber manch ein Mensch will das in seinem Rausch, von dem er geblendet und nach dem er süchtig wurde, anscheinend nicht verstehen.

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